Aus: Schaufenster Mettmann, Ausgabe vom 27. August 2008
Mettmannerin lebt ihr
Leben „Trotzdem!“
Diagnose Brustkrebs: Es geht weiter…
Dass das Leben manchmal unvorhersehbare Wege einschlägt, die den Menschen aus seiner gewohnten Bahn werfen können, beschreibt Kerstin Illenseer eindringlich in ihren Tagebuchaufzeichnungen, die den auffälligen Titel "Trotzdem!" tragen.
Von Melanie Mehrländer
Im Jahre 2004 erkrankt die Autorin, die in Mettmann als Kerstin Baude geboren wurde und dort 1986 am Konrad-Heresbach-Gymnasium ihr Abitur gemacht hat, an Brustkrebs. Sie muss eine Chemotherapie, eine Operation und Bestrahlungen über sich ergehen lassen und im Anschluss daran ihren Beruf aufgeben. In ihrem Tagebuch beschreibt sie die Höhen und Tiefen dieser schwierigen Zeit. Sie lässt uns an ihrem Alltag teilnehmen, zeigt, wie sie zu einem positiven Umgang mit ihrer Krankheit findet und ihr Familienleben, das trotz dem Krebs nicht stillsteht, meistert. Immer wieder gibt sie uns zu verstehen, dass die oftmals mit dem Tod assoziierte Krankheit Krebs für die Betroffenen auch positive Aspekte haben kann. So lernen wir als Leser das Leben mit seinen Alltäglichkeiten zu schätzen. Kerstin Illenseer zeigt uns, was wirklich wichtig im gemeinsamen Miteinander ist. Sie nimmt sich aber auch viel Zeit für sich selbst, geht Walken, Reiten, fährt Fahrrad - und dies "Trotzdem!", trotz der Diagnose Krebs. Sie lässt sich von ihrer Krankheit nicht einschüchtern. Es gibt keine Situation in diesem Buch, der sie nicht etwas Positives abringen kann. Sie vermittelt uns Lebensmut und Optimismus, der unglaublich ansteckend wirkt. Sie gibt uns Kraft, das Leben trotz herber Rückschläge anzugehen und sich darauf einzulassen. Auf diese Weise schafft sie es, unseren Blick auf das Wesentliche unserer Existenz zu lenken. Äußerlichkeiten stehen für sie nicht mehr im Mittelpunkt. Wenn es denn sein muss, dann werden eben die nach der ersten Chemotherapie übriggebliebenen Haare abrasiert - es gibt Schlimmeres auf der Welt und die Perücke steht ihr auch richtig gut. Wichtig ist nur, mit sich selbst im Reinen zu sein. Und das ist Kerstin Illenseer. Sie weist uns darauf hin, dass die Diagnose Krebs nicht unmittelbar als Todesurteil zu verstehen ist, dass das Leben „Trotzdem!“ lebenswert ist. Sie will mit ihrem Buch Krebspatienten helfen, ihren persönlichen Weg zur Krankheit zu finden, denn ihrer Meinung nach steigen die Heilungschancen dadurch erheblich - man muss die Krankheit als zu sich selbst gehörig annehmen, erst dann ist man ihr überlegen. Auch will sie den Angehörigen von Betroffenen ein Beispiel für den richtigen Umgang mit dem Krebs zeigen. Immer wieder betont sie, wie wichtig ein positiver Rückhalt im Familien- und Freundeskreis ist. In erster Linie aber möchte sie uns die Angst vor der Diagnose Krebs nehmen und uns zeigen, dass das Leben „Trotzdem!“ schön ist - vielleicht auch gerade durch die Krankheit. Mit Sicherheit hat sie mit ihrem unumstößlichen Lebensmut Bedingungen geschaffen, unter denen der Krebs nicht weiterleben konnte, sie selbst dafür umso besser.
Aus: Westerwälder Zeitung, Ausgabe vom 19. September 2008
Krebs kann Chance sein Über das Leben mit der Krankheit schrieb Kerstin Illenseer aus Holler ein Buch - Lesung in Montabaur
Es kann jeden treffen. Plötzlich lautet die Diagnose "Krebs". Ihren Weg von der Diagnose Brustkrebs bis zur Entlassung als "geheilt" beschreibt Kerstin Illenseer in ihrem Buch "Trotzdem! Walken, Reiten, Radfahren - trotz Chemo und Bestrahlung", das im August erschienen ist und anderen Menschen Mut machen soll.
"Ich bin dem Tumor nicht mehr böse", erzählt Kerstin Illenseer. "Er hat mit neue Möglichkeiten und Perspektiven aufgezeigt. Krebs kann auch eine Chance sein, wenn man ihn als solche annimmt." Im August 2004 wurde bei der damals 37-Jährigen die Diagnose Brustkrebs gestellt, ein kastaniengroßer Tumor saß in der linken Achselhöhle. Über die 14 darauf folgenden Monate mit Chemo-Therapien, Operation und Bestrahlungen, Anschlussheilbehandlung und der großen "Wieder-gesung-Party" schreibt sie in ihrem Buch "Trotzdem! Walken, Reiten, Radfahren - trotz Chemo und Bestrahlung". Heute ist sie gesund. "Das Schreiben war meine Therapie. Ich hatte während der Krankheit viel Zeit. Wenn ich einen Gedanken eingefangen und aufgeschrieben habe, konnte ich ihn viel intensiver erleben. Dabei habe ich viele Erkenntnisse über meine Lebenseinstellung gewonnen", sagt die heute 41-Jährige. Wie ist sie mit der Diagnose "Brustkrebs" umgegangen? "Die Krankheit war meine persönliche Auszeit. Ich habe bewusst nicht gekämpft. Kämpfen erfordert einen hohen Kraftaufwand und ist eine unheimlich entmutigende Vorstellung. Ich habe versucht, eigene Kräfte aufzubauen und dem Tumor die Lebensgrundlage zu entziehen." Auch während der Krankheit trieb sie viel Sport, ging fast jeden Tag Walken, Radfahren oder Reiten. "Ich lasse mir doch von einem Tumor den Spaß am Leben nicht verderben". Ursprünglich schrieb sie ihre Gedanken nur in ihrem Tagebuch nieder. Doch bereits während der Krankheit begann Kerstin Illenseer, einzelne Passagen an Freunde und Bekannte zu verschicken. "Viele Menschen haben Berührungsängste. Für sie zählen immer nur die negativen Aspekte der Krankheit. Wenn dann erzählt wurde: Der ist gestorben, der hat die und die Nebenwirkungen und so weiter. Ich finde, wenn viel mehr Leute, die überlebt haben, davon erzählen, ist die Krankheit vielleicht irgendwann kein Schreckgespenst mehr." Im August 2008 erschien ihr Buch im amicus Verlag. "Ich bin froh, dass es ein kleinerer Verlag ist, die Atmosphäre ist viel persönlicher", erzählt Illenseer. "Ich konnte mit all meinen Fragen kommen und wurde immer ernst genommen. An dem Buch selbst ist auch so gut wie nichts verändert worden. Es ist wichtig, dass es viele verschiedene Bücher zum Thema Krebs gibt. Jeder soll sich heraussuchen können, was ihm am meisten zusagt, denn jeder erlebt die Krankheit anders. Meine persönliche Therapie war das Schreiben und der Sport. Das soll aber nicht heißen, dass das für jeden so sein muss. Ich möchte Leute, die in einer Krise sind, anregen, selbstbewusst nach den Dingen zu suchen, die ihnen guttun." Seit zwei Jahren macht Kerstin Illenseer eine Umschulung zur Logopädin, die sie 2009 abschließen wird. Aufgrund der Erkrankung kann sie ihren Beruf als Masseurin nicht mehr ausüben. Außerdem hält sie im Rahmen der Veröffentlichung Lesungen, unter anderem auch in Montabaur. Dabei kommen zum Beispiel auch ihre Perücke und weitere Kopfbedeckungen, die sie während der Krankheit trug, zum Einsatz. "Ich habe meine Krankheit nie verheimlicht. Es ist wichtig, sich mit vielen Leuten austauschen zu können und gute Gespräche zu führen. Ich denke auch nicht mehr: Das kannst du alles später noch machen." Wenn draußen schönes Wetter ist, fährt Kerstin Illenseer jetzt lieber Fahrrad oder geht reiten, statt Fenster zu putzen. Auch ihre Kinder und ihr Mann haben von der Krankheit profitiert. "Wir sind als Familie gestärkt daraus hervorgegangen. Ich bin gelassener geworden und kann auch besser Nein sagen. An einer solchen Krise wächst man. Ich denke jetzt: Wenn ich die eine große Krise geschafft habe, schaffe ich auch andere." Das hört sich fast so an, als ob sie dankbar für die Krankheit sei. So ist es aber nicht. "Natürlich hätte ich gerne darauf verzichtet. Aber mir sind eher die positiven Erinnerungen geblieben. Die negativen habe ich schon ausgeblendet."
Christina Schönberger
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